Stollen

Neben dem Synchronbacken am vorletzten Wochenende lief hier aus Gründen akuter Vermissung auch ein Stollenbacken. Wenn nämlich kein Urlaub in Dresden, dann auch kein Stollen vom Striezelmarkt. Da die Adventszeit ohne Stollen aber nicht auszuhalten ist, habe ich am Samstagabend mal die Rezepte gesichtet. Das aus dem alten Backbuch mit den unheimlichen Mengen geht schon mal nicht, aber das findet sich. Auf jeden Fall werden 125 g Rosinen in 100 g Goldbrand*** eingeweicht. Die Schnapsmenge ist etwas groß, aber jetzt ist die Flasche endlich leer, ich glaube, die hat zwei Umzüge mitgemacht und mit uns schon Silberhochzeit gefeiert. Schlimmes Zeug.

Am nächsten Morgen werden 30 g Milch etwas erwärmt (handwarm) und mit 1 TL Zucker und 1/2 Würfel Hefe verrührt. Das kann jetzt erstmal stehenbleiben, bis wir mit dem Frühstücken fertig sind und das Nußknacker-Brot in der Form ist.

Jetzt geht es weiter, 300 g Mehl in die große Rührschüssel, dazu kommen 50 g Zucker, 150 g Butter, 100 g gehackte Mandeln, die abgegossenen Rosinen von gestern, 2 Eigelb*, je 50 g gehacktem Zitronat und Orangeat, 1 Prise Salz, etwas Vanilleextrakt und 1/2 TL Lebkuchengewürz – und obenauf die Hefemilch, die sich schon fast verdreifacht hat. Das wird alles gut verknetet und dann auf einem Backblech zu einem Stollen geformt. Die herausguckenden Rosinen habe ich unter die Oberfläche gestreichelt, ich mag es nicht, wenn die oben verbrennen. Mangels Stollenform habe ich unter dem Backpapier aus Holzlöffeln noch eine Barriere gebaut, das sah seltsam aus, hat aber gut funktioniert.

Der Stollen wartet jetzt auf der Heizung ganz in Ruhe, bis der Nußknacker aus dem Ofen kommt, dann wird die Temperatur auf 130°C** heruntergedreht. Rein mit dem Stollen und es kann losgehen. Gebacken habe ich für ca. 40 Minuten, wobei ich kurz vor Ende die Temperatur auf 150°C hochgedreht habe – sah mir alles noch zu blass aus.

Der Stollen wird dann – noch warm – mit ca. 80 g weicher Butter bepinselt und 125 g Puderzucker nach und nach bestäubt. Das dauert eine Weile, ist aber ok. Ist der Stollen abgekühlt, wird er vorsichtig in Backpapier gewickelt und kühl gestellt. Gleich sofort kann man den nämlich noch nicht essen, der muss ein kleines bissel ruhen.

Übrigens rief während des Backens die Schwiegermutter an. Die Verwandtschaft aus Sachsen hat sich besorgt erkundigt, ob wir ein Carepaket mit Stollen brauchen. Ach, danke und liebe Grüße! Wir haben in der Woche noch die kurze Chance genutzt und zwei Stollen auf dem Weihnachtsmarkt gekauft.

Wenn ihr das lest, ist von dem ganzen Zauber nicht ein Krümel mehr übrig. Am Freitag vor dem 1. Advent sind wir mitsamt Stollen zum Stollenanschnitt mit Glühwein usw. gefahren und haben da sehr lange gequatscht, die Reste haben sich bei Kerzenschein so wegverdunstet, ein neues Exemplar (jetzt 180°C) liegt schon auf dem Küchenschrank.

Und weil bei uns kein Advent ohne Stollen geht, geht das hier auch in die Blogparade zum Thema Adventsrituale der Ü30Blogger&Friends – und weil Wochenende ist, schicken wir Grüße in ein Fachwerkhaus im Grünen.

*das Eiweiß gab es am Abend zusammen mit 2 weiteren Eiern als Omelette.

**das ist grenzwertig, der Stollen ist etwas gatschig, das muss bei der nächsten Runde mehr werden, die Stollenprofi sprach von 180°C – ich werde mich wohl an die Optimaltemperatur heranbacken.

***die Reste vom Schnaps reichten für die Rosinen vom Folgestollen auch noch.

5 Gedanken zu “Stollen

  1. zu DDR Zeiten haben wir Weihnachten immer einen Stollen aus Leipzig bekommen 😉
    einmal hatte ich auch selber einen gebacken
    die „echten“ Stollen sind aber schon ganz schön teuer
    da darf es auch mal ein billiger sein
    und vor allem ein kleiner .. denn wer soll den essen 😉

    na du findest schon noch die richtige Temperatur
    180 hört sich auch besser an 😉

    liebe Grüße und einen schönen 2. Advent
    Rosi

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