Nachmittagsvorstellung – „Die Verlegerin“

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Regeln und gesellschaftliche Konventionen sind eine super Sache. Sie vereinfachen durch die Reduzierung der Komplexität das Leben, so muss man nicht dauernd überlegen, was nun richtig und falsch ist. Wer sich an die als Kind gelernte Regel „bei Rot bleibe steh’n, bei Grün kannst du geh’n“ hält, läuft deutlich weniger Gefahr, überfahren zu werden. Und wer am Samstag den Tag mit Hausputz und Großeinkauf beginnt, hat eine saubere Wohnung, etwas zu essen und ist beschäftigt und lungert nicht in der Gegend umher und kommt auf dumme Gedanken. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Tja, kann man so machen, muss man aber nicht. Und so haben wir am letzten Samstag mal fix Reihenfolge und Prioritäten vertauscht und sind (zugegeben nach dem Einkauf, ganz ohne Essen ist das Wochenende dann auch doof) mit Richtung Innenstadt aufgebrochen.

Neben dem Besorgen eines Geburtstagsgeschenkes wollten wir ins Kino – in die Nachmittagsvorstellung der „Verlegerin“ (weniger Gedränge, weniger Nachos, und der Heimweg ist auch deutlich einfacher – der Abendfahrplan des Busses ist einigermaßen grenzwertig). Und so rauschten wir nach einem längeren Spaziergang durch Sanssouci und das eiskalte Potsdam aus dem Jahr 2018 in das Jahr 1966. In eine Zeit, als die USA Krieg in Vietnam führte, als es normal war, dass überall geraucht wurde, als Frauen vor allem Ehefrau und Mutter sein sollten. „Die Verlegerin“ (Hauptdarstellerin Meryl Streep, Hauptdarsteller Tom Hanks, Regie Steven Spielberg) ist in meinen Augen ein Krimi über Politik und Pressefreiheit – und durch den Fokus auf Kay Graham auch ein Fokus auf das Thema Frauenrechte und Gleichberechtigung. Oder wie findet ihr es, wenn die Verlegerin (also die Chefin) bei einer Dinnerparty nach dem Essen separat mit den Frauen sitzt, während die Herren „über Politik reden“.

Neben der Story über die sogenannten Pentagon-Papers, also einem ehemals geheimen Dokument des US-Verteidigungsministeriums in Bezug auf den Vietnamkrieg, dessen teilweise Veröffentlichung 1971 durch die New York Times gegen den Widerstand der Regierung aufgrund einer Entscheidung des höchsten US-Gerichtes erfolgte, verfolgen wir, wie sich Kay Graham „freischwimmt“. Ist sie anfangs nicht in der Lage, vor einer Gruppe von Investoren zu sprechen (wohlgemerkt nachdem sie alle Zahlen und Fakten im Kopf hat), ist sie es, die später auch gegen prominente Widerstände die Entscheidung über die Veröffentlichung der Papiere trifft. Ich kann euch sagen, zwischendurch haben alle gemeinschaftlich den Atem angehalten oder aufgeatmet. Ach ja, und wie war das dann nochmal mit den Regeln? Hier muss man dann doch gucken: „Pressefreiheit oder die Macht der Regierenden“, „Rolle der Frau in der Gesellschaft“.

Zum Popcornessen hatten wir jedenfalls keine Zeit, das war ein Film zum Aufpassen und Mitfiebern.

*also strenggenommen nicht, weil alles ohne Geld, aber eben Verlinkung – und ehe mir einer aus Wut einen Kratzer ins Auto macht oder das Fahrrad umwirft, schreibe ich das da hin.

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